Steine, Visionen und andere spirituelle Phänomene

Die mystischen Kräfte der Hildegard von Bingen – Drei medizinische Erkenntnisse, die heutzutage immer noch Anwendung finden

Geistige, Ärztin, Seherin: Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) gilt laut dem Bayrischen Rundfunk (BR) als einer der „erstaunlichsten Frauen des Mittelalters“. Sie gründete ohne die Hilfe der Kirche und des Staates ihr eigenes Kloster in Eibingen bei Rüdesheim, empfing göttliche Visionen und genießt den Ruf als Koryphäe der Naturheilkunde – speziell was Edelsteine, Kräuter und Getreide sowie das Fasten angeht.

Auge

Viele antike und historische Berühmtheiten verfügten über seherische Fähigkeiten. Indem sie ihre Visionen mit anderen teilten, machten sie sich jedoch zur Zielscheibe von Zweifel und Hass.

Prophezeiungen sind seit vielen Jahrtausenden ein fester Bestandteil der menschlichen Kultur. Sie ziehen viele in ihren Bann. Und zwar so sehr, dass die Menschen mehr über das Individuum erfahren wollen, welches die Visionen ausgesprochen hat. Das Orakel von Delphi, Kassandra von Troja, Jeanne d‘Arc, Nostradamus – alle vier waren bekannte Seher, deren Prophezeiungen eingetroffen sind. Ihre Visionen erstaunten und erschreckten die Menschen zu gleich.

Geistige, Ärztin und Seherin

Auch die Benediktinernonne Hildegard von Bingen verfügte über seherische Fähigkeiten. Doch erst im Alter von 43 Jahren hörte sie eine Stimme, die ihr auftrug, alles was sie hört und sieht niederzuschreiben. Die Nonne sträubte sich zunächst laut Informationen des Historischen Vereins Ingelheim gegen diesen göttlichen Auftrag: „Ich weigerte mich zu schreiben. Nicht aus Hartnäckigkeit, sondern aus dem Empfinden meiner Unfähigkeit, wegen der Zweifelsucht, des Achselzuckens und des mannigfachen Geredes des Menschen, bis Gottes Geißel mich auf das Krankenlager warf.“

Briefmarke Hildegard von Bingen

Eine Briefmarke zeigt Hildegard von Bingen vor ihrem Kloster

Doch dann folgte die Universalgelehrte dem Ruf und verfasst ihr erstes Buch „Scivias“ (dt. Wisse die Wege). Darin beschäftigte sie sich mit Fragen der Glaubenskunde anhand ihrer Visionen – die heutzutage Wissenschaftler als Nebenwirkungen einer Migräne erklären. Neben dieser theologischen Abhandlung verfasste sie aber auch Bücher über die heilenden Kräfte der Natur. – Wissen, dass sie ebenfalls aus ihren zahlreichen Visionen sowie der Klosterheilkunde zog. Darunter finden sich unter anderem „Physica“ (dt. Naturkunde) und „Causae et Curae“ (dt. Ursachen der Krankheiten und ihren Behandlungen).

Mit diesen Werken avancierte sie im 20. Jahrhundert zu einer Koryphäe der Naturheilkunde, die sich nicht nur am Wissen antiker Kulturen (Säftelehre) orientierte, sondern auch spirituelle Aspekte einbezog..

Die medizinischen Erkenntnisse der Benediktinernonne

Der österreichische Arzt Gottfried Hertzka untersuchte die Wirkungen ihrer Rezepte und brachte Hildegard von Bingen wieder in das Bewusstsein der Menschen. Methoden wie Bäder, Wickel und Ernährungstipps – die im 21. Jahrhundert allen geläufig sein dürften – lassen sich auf ihr Wissen zurückführen. Dabei konzentrierte sich Bingen vor allem auf die Einheit von Körper, Seele und Geist. Erkrankte jemand, so schlussfolgerte sie das auf ein Ungleichgewicht dieser drei Komponenten zurück.

Der Arzt Wighard Strehlow summiert sechs goldene Regeln aus Bingens Werk „Causae et Curae“, „ohne die niemand gesund bleiben oder werden kann“. Darunter befinden sich unter anderem Ratschläge wie, dass man auf die Wahl seiner Lebensmittel achten oder den Körper mit Hilfe von Bädern, Sauna-Gängen oder Aderlass von Giften reinigen solle. Hier eine Übersicht der bekanntesten Erkenntnisse:

Edelsteine

Bereits seit Anbeginn der Zeit werden Edelsteinen heilende Kräfte nachgesagt. Doch erst Hildegard von Bingen analysiert die Wirkungen einiger Steine.

Edelsteine

Es heißt, dass Indien als Ursprungsland der Edelsteinmedizin gilt. Aber auch die Babylonier und Ägypter wussten um ihre heilenden Kräfte. Doch erst Hildegard von Bingen lieferte eine detaillierte Beschreibung über die Wirkung von 24 Steinen. Wie Planet Wissen berichtet, war sie der Meinung, dass Gott seine Kräfte in die Edelsteine transformiert hat. „Als Hüter allen Gutes hat uns Gott die Edelsteine gesandt, die vom Teufel gemieden werden.“ Es heißt weiterhin, dass sie negative Energien abbauen und den Körper in Einklang bringen.

Dabei entfalte sich ihre wohltuende Wirkung am besten in Wasser oder bei direktem Hautkontakt. Die Bedeutung, Herkunft und die Verwendung von über 50 Heilsteinen werden im Online-Ratgeber von Heilstein.info dargestellt. So wird dem Achat eine Verbesserung der Atemorgane zugeschrieben oder Quarz fördert die Durchblutung. Während für manche Heilsteine die Wirkung tatsächlich nachweisbar ist – wie beispielsweise die antibakterielle Wirkung von Silber – beruhen die Anwendungsgebiete der meisten Steine auf alten Überlieferungen.

Kräuter und Getreide

Die Geistliche erforschte neben den mystischen Edelsteinen auch den Einfluss verschiedener Kräuter und Getreide. Damit wollte sie kranke Menschen wieder auf den Weg der Besserung geleiten, weshalb für sie eine gesunde und ausgewogene Ernährung wichtig war. Ihr Wissen basierte dabei auf dem damaligen Verständnis der Elemente, Temperamente sowie der Säftelehre, die auf Galenus und Hippokrates zurückzuführen ist.

Sie experimentierte herum und schrieb ihre Ergebnisse minutiös auf: So verwendete sie unter anderem Aloe gegen Entzündungen, Brennnessel gegen Blasenentzündung, Salbei und Minze bei Hautausschlägen – Kräuter, die sich auch heutzutage gegen diese Symptome einsetzen lassen. Im Mittelpunkt ihrer Forschungen stand aber der Dinkel. Diese Getreideart soll nach Angaben von Bingen zu mehr Frohsinn verhelfen und den kompletten Organismus verbessern. Sie schrieb, dass Dinkel das beste Getreide sei, weil es fettig und kraftvoll und leichter verträglich als alle anderen Körner ist. Darüber hinaus bereite es demjenigen, der es isst, gutes Blut. Und tatsächlich bestätigen viele Ernährungswissenschaftler unserer Zeit, dass es reich an Vitaminen und Mineralstoffen ist.

Fasten

Ein weiterer essentieller Bestandteil von Bingens Lehren war das Fasten. Sie war der Überzeugung, dass es für die Gesundheit durchaus förderlich ist und zudem für einen seelischen Ausgleich sorgt. Es ist nicht mit der heutigen Form des Verzichts auf Nahrung gleichzusetzen, wo nur auf Gewichtsreduktion geachtet wird. Das Hildegard-Fasten hatte eine meditative Komponente, die der Gelehrten wichtig war. Die leichteste Methode besteht aus einem Ernährungsplan, der nur Dinkel, Obst und Gemüse umfasst. Auf tierische Produkte gilt es gänzlich zu verzichten. Kein Fasten ohne genügend Flüssigkeitszufuhr. Hier bieten sich Fencheltee, Wasser oder Dinkelkaffee an – täglich zwei Liter. Das spült zusätzlich Giftstoffe aus dem Körper.

Nach wie vor up-to-date – Ein Fazit

Hildegard von Bingens medizinische Erkenntnisse sind aktuell wie eh und je. Ihr Wissen bezüglich verschiedener Heilkräuter und schmerzlindernden Methoden findet bei Heilpraktikern sowie Ärzten Anwendung. So weiß man dank ihr, dass Brennnessel gegen Blasenentzündung hilft, ein Aderlass bei der Reinigung des Blutes – bei zu hohen Eisenwerten zum Beispiel – effektiv sein kann und ihre Art des Fastens Seele und Körper in Einklang bringt.

Bildnachweise: #58178547 | © laufer – Fotolia.com, #35241602 | © PhotoSG – Fotolia.com, #100633640 | © by-studio – Fotolia.com

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